Gedichte auf Deutsch

Gleiche Gegensätze

 

Wir sind uns einer Meinung,

und werden doch nicht einig.

 

Gedanken sind die gleichen,

doch Wortwahl unterschiedlich.

 

Gemeinsame Ideen,

doch jeder macht das Seine.

 

Die Ziele sind identisch,

doch scheiden sich die Wege.

 

Wir denken aneinander,

doch würden`s nie zugeben.

 

Je mehr Distanz wir schaffen,

so größer wird die Nähe.

 

Wir kämpfen um die Freiheit -

Abhängigkeit wird größer.

 

Wir könn` nicht miteinander,

und leider auch nicht ohne.

 

19.11.2015

 

***

Gewissenlose Nähe

 

Wir begrüßen uns ohne große Floskeln,

es ist gar nicht so förmlich wie sonst.

 

Wir sind per Du und einander bekannt,

Anreden und Ämter einfach vergessen.

 

Wir trinken bremsenlos Wein,

und starken Kräuterlikör dazu.

 

Im Hintergrund spielt leise Blues,

nach Likör sind wir wieder beim Wein.

 

Wir reden über Politik und die Welt,

über Kunst, Literatur und Leute.

 

Wir lästern über alle, die wir kennen,

wir lachen, streiten, werden immer näher.

 

Wenn ich dich ansehe, ist es so,

als würd ich in den Spiegel blicken.

 

Es ist so komisch plötzlich zu erkennen,

dass jemand genauso ist wie ich.

 

Ich schau dich pausenlos an,

und halte deinen Blicken stand.

 

Ich vergöttere dich insgeheim,

und habe irgendwie auch Angst.

 

Deine starken Arme wie ein Eisenring,

ich bin gefangen, kann nicht weg.

 

Deine Stimme wie Betäubungsmittel.

Dein Lachen wie eine Hypnose.

 

Du singst ohne Gitarre,

ich schwärme ohne Liebe.

 

Dein Gold zwischen meinen Fingern,

mein Gold ergießt sich übers Kissen.

 

Vergessen, wer du eigentlich bist,

ich werde frech und lach dich aus.

 

Du hältst mich fester, lässt nicht los.

Distanz? Das will ich selbst nicht mehr.

 

Es ist ein Glück und eine Qual.

Diese gewissenlose Nähe.

 

***

Machtspiel

 

Das ist doch sinnlos,

einen Tiger einzusperren!

Damit er mit all seiner Macht,

seiner Kraft und Geschmeidigkeit,

die Welt vom Inneren des Käfigs sieht?

 

Das ist doch irre,

einem Vogel die Flügel zu brechen!

Damit er mit all seiner Liebe zur Luft,

mit all seinem inneren Streben nach Freiheit,

vor den Glasscheiben eines Fensters zugrunde geht?

 

Das ist doch herzlos,

einem Träumer die Realität zu erklären!

Damit er seinen Willen die Welt zu verbessern

und seinen festen Glauben an das Gute in Menschen

verliert, verzweifelt und so wird, wie er nie sein wollte?

 

So lass mich dein Tiger sein,

dein gefährlich exotisches Haustier.

Aber halte mich auf keinen Fall im Käfig,

denn passt du einen Augenblick nicht auf,

schnappe ich sofort zu und verletze dich tödlich. 

 

Lass mich dein Vogel sein,

der hoch in den Himmel fliegt

und dir alle Neuigkeiten der Welt berichtet.

Aber nimm mir bitte nicht die Fähigkeit zu fliegen,

denn ansonsten kann ich dir doch kaum nützlich sein.

 

Lass mich weiterhin träumen,

mache keine Marionette aus mir,

lass mir all meine freien Gedanken.

Du wirst es eh nicht schaffen mich zu bändigen,

und wenn du versagst, wirst du es eh nicht zugeben wollen.

 

15.11.2015

 

***

 

Doch du...

 

Du weißt mich aufzubauen,

doch du weißt auch, wie man mich zerbricht.

 

Du kannst mir Mut zusprechen,

doch mir die Angst nicht nehmen.

 

Du lehrst mich stark zu sein,

doch bist du meine größte Schwäche.

 

Du ermutigst mich zum Kampf,

doch gibst mich kampflos auf.

 

Du erinnerst mich an Gott,

doch treibst du teuflisches Zeug mit mir.

 

Du sagst mir, ich soll reden,

doch schweigst du jederzeit.

 

Du rätst mir meinen Traum zu leben,

doch gibst mir nur Realität.

 

Du hältst dich an Gebote Gottes,

doch brichst das sechste jeden Tag.

 

Du predigst mir von Ehrlichkeit,

doch schickst mich fort ins fremde Bett.

 

Du nennst mich deine Frau,

und lässt mich doch beim andren Mann.

 

***

 

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