April 2015

Ukrainekrise, Integration der Flüchtlinge und persönliche Erfahrungen als Russlanddeutsche...

Eine aufregende Woche liegt hinter mir. Eine Woche voller Begegnungen, Wissens-und Erfahrungsaustausch, neuer Menschen, Orte und Erkenntnisse. Es sind viele interessante Kontakte entstanden. Neue Projekte und Kooperationen sind in Planung. Eine kurze Übersicht über meine Aktivitäten letzte Woche:

Montag, 20. April: In der VHS Sinsheim fand eine Veranstaltung zum Thema "Alltag in Russland zu Zeiten der Ukrainekrise" statt. Nach dem Vortrag von Swetlana Starostina, gab es eine Diskussion. Ich durfte die Veranstaltung als Dolmetscherin begleiten. Gar nicht so einfach bei so einem Thema die Dolmetscherin zu sein. Man würde manchmal so gerne etwas kommentieren, auch etwas dazu sagen. Am schwierigsten ist es, wenn man Sachen dolmetschen muss, die einem selbst widersprechen. Aber es ist eine tolle Erfahrung!

Dienstag, 21. April: Am nächsten Tag ging es mit der gleichen Veranstaltung, nur in einem etwas anderen Rahmen weiter. Im Edith-Stein-Haus in Heidelberg durfte Swetlana erneut über ihre Erfahrungen mit den Flüchtlingen berichten. Auch die Diskussion danach war sehr lebhaft. Es gab natürlich unterschiedliche Meinungen. Es geht immer explosiv zu, wenn über die Ukrainekrise und das Verhältnis Russland-Ukraine diskutiert wird. Rückblickend möchte ich den Organisatoren der beiden Veranstaltungen ein großes Lob aussprechen. Wir brauchen solche Veranstaltungen. Wir müssen uns austauschen. Wir brauchen den Dialog, auch wenn unsere Meinungen zu bestimmten Dingen weit auseinander gehen. Solche Diskussionen helfen uns gegenseitig besser zu verstehen.

(v.l.: Hartmut Müller von Pax Christi, Dorothea Volkert von DRGK e.V., Swetlana Wassiljewa, unsere Projektpartnerin aus Pereslawl-Salesskij, ich als Dolmetscherin und Swetlana Starostina vom Sozialfond "Sodejstwie" und Mitglied der Duma von Pereslawl-Salesskij)

Am Mittwoch gab es eine kleine Verschnaufpause ;)

Donnerstag, 23. April: Auf Einladung meiner ehemaligen Professorin Dr. Birgit Menzel vom Fachbereich Slavistik der Universität Germersheim, durfte ich am Donnerstag den Studenten, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Professoren der Universität Mainz über meine persönlichen Erfahrungen als Russlanddeutsche berichten. 2011 und 2013 wurden an unserer Universität zwei Konferenzen zu Russlanddeutschen veranstaltet. Die Ergebnisse dieser Konferenzen wurden in einem Sammelband zusammengetragen "Remigration der russlanddeutschen Spätaussiedler". Dr. Birgit Menzel machte die Einführung und berichtete an diesem Abend über die Hintergründe zur Entstehung des Sammelbandes. Irina Pohlan vom Fachbereich Russisch am FTSK Germersheim erzählte über den Inhalt des Buches. Anschließend durfte ich über meine persönlichen Erfahrungen sprechen. Danach gab es eine sehr lebhafte Diskussion. Es war ein sehr informativer und interessanter Abend für alle. Neue Kontakte sind entstanden und ich freue mich jetzt schon auf weitere Begegnungen!

Zusammen mit Irina Pohlan und Birgit Menzel nach der Buchpräsentation.

Freitag, 24. April: Am Freitag ging es nach Bad-Wimpfen. Zusammen mit der örtlichen VHS, Integrationsstelle, dem Bürgermeister, Pater der katholischen Kirche und einigen Deutschdozenten haben wir die Integrationsmöglichkeiten, Organisation von Deutschkursen für Flüchtlinge und ihre Begleitung im Alltag ausgetauscht: Was kann man für die Flüchtlinge tun? Welche Erfahrungen gibt es bereits mit Deutschkursen für Asylbewerber? Welches Material ist am besten geeignet? Wie kann man ihren Alltag gestalten? Welche Möglichkeiten der sprachlichen Begleitung gibt es außerhalb der Deutschkurse? Und, und, und... Es war eine sehr interessante Runde. Ich bewundere das Engagement der Stadt Bad Wimpfen. Noch vor der Aufnahme der Flüchtlinge wird überlegt, wie man ihre Integration und das Einleben in einer neuen Umgebung fördern kann. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Bad Wimpfen.

Samstag, 25. April: Endspurt! Am Samstag ging es nach Schwäbisch Hall zu einer Fortbildung für Deutschdozenten, organisiert durch die VHS. An diesem Vormittag haben wir gelernt, wie man bei unseren Schülern das Schreiben fördern kann. Wirklich sehr viele interessante Tipps und Übungen dabei gewesen. Einiges davon werde ich unbedingt auch in meinen Kursen verwenden.

Eine lange und ereignisreiche Woche. Es sind viele neue Kontakte entstanden. Ich bin gespannt, was sich daraus entwickeln kann.

 

BESUCH AUS PERESLAWL-SALESSKIJ

20. April 2015

Vom 18-25 April ist eine russische Delegation aus Pereslawl-Salesskij zu Gast bei der Deutsch-Russischen Gesellschaft Kraichgau e.V. Die DRGK arbeitet seit Jahren gemeinsam mit dem Sozialfond "Sodejstwie" und hat bereits viele Hilfsprojekte umgesetzt. Dorothea Volkert, die Vorsitzende unseres Vereins, wird die Delegation die ganze Woche begleiten.

Neben einem Wissens- und Erfahrungsaustausch, sowie Besuch von unterschiedlichen Einrichtungen, wurden auch zwei Veranstaltungen zum Thema "Alltag in Russland in Zeiten des Ukrainekonflikts" organisiert. Die Referentin Swetlana Starostina, die stellvertretende Geschäftsführerin des Sozialfonds "Sodejstwie", ist Mitglied der städtischen Duma und Vorsitzende der Kommission für Sozialpolitik in Pereslawl-Salesskij. In ihrem Vortrag erzählt sie über aktuelle Projekte und über die Arbeit mit Flüchtlingen aus der Ukraine.

Anschließend an den Vortrag haben alle Anwesenden die Möglichkeit Fragen zu stellen und auch selbst Beiträge zum Thema zu leisten.

Ich darf beide Veranstaltungen als Dolmetscherin begleiten. Am 20. April hatten wir unseren Auftakt in Sinsheim. Der Abend war für alle sehr bereichernd. Wir haben uns nicht nur über den vollen Raum gefreut, sondern auch über eine lebendige Diskussion.

Umso mehr freuen wir uns nun auf die Veranstaltung in Heidelberg.

Organisatoren sind die DRGK e.V., Pax Christi Heidelberg, Freundeskreis Heidelberg-Simforopol e.V. und die Volkshochschule Sinsheim.

Foto (von rechts): Die Referentin des Abends Swetlana Starostina, Hartmut Müller von Pax Christi und ich in der Rolle der Dolmetscherin

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