Martikat-Blog
Russlanddeutscher Kulturpreis 2020 (14.10.2020 08:55:53)

  


"Es war einmal..."

So beginnen die meisten Märchen. Als Kind habe ich Märchen geliebt. Nein, nicht nur als Kind. Ich liebe sie immer noch.

Ich habe mit fünf Jahren das Lesen beigebracht bekommen, und konnte von Büchern nie genug kriegen. Und je mehr Bücher ich gelesen habe, desto mehr spürte ich einen kleinen Wunsch in mir aufkeimen: Selbst ein Buch zu schreiben. Der Wunsch wurde mit der Zeit größer und größer, als würde er sich von all den Büchern nähren, die ich verschlinge.

Viele Jahre hat es gedauert, bis das kleine Mädchen in mir drin, ihren Wunsch erfüllt bekommen hat. Ein Märchenbuch ist es nicht geworden. Auch kein fetter Roman, wie ich es mir in meiner Jugend ausgemalt habe. Kein Krimi, kein Lyrikband, kein Fantasy.

Nein, es wurde ein Buch der Erinnerungen. An meine Kindheit im kleinen Dorf Tschalna, in Karelien. Ein Buch für das kleine Mädchen Katjuscha, das in seiner seltsamen Bücherwelt sich bis heute am allerwohlsten fühlt.

Ein Buch aus Erzählungen über meine Ankunft und meine erste Zeit in Deutschland. Darüber, wie ich jahrelang den Pfad zu meiner Heimat gesucht, und sie in Eppingen, in Baden-Württemberg gefunden habe. 

Ein Buch in Erinnerung an meine Vorfahren, die das Schicksal durch Ukraine, Kasachstan, Sibirien und noch viele, viele Orte, gejagt hat. Ein Buch für meine Großeltern, für meine Eltern, meine Tanten und Onkeln. Für alle, die Teil meines Lebens und meines Weges geworden sind.

Ein Buch in Erinnerung an die Menschen, denen ich eine Stimme geben wollte. Damit ihre Geschichten nicht verlorengehen. Damit sie in und durch meine Geschichten weiterleben. Ihre Stimmen sollten weiter klingen, sich mit der meinen vereinen, und mit der meiner Vorfahren. Damit unsere leisen Stimmen zu einer lauteren werden, die aus dem kleinen Buch spricht, von dem das kleine Mädchen aus dem kleinen Dorf Tschalna schon immer geträumt hat. Und diese Stimme wurde gehört. Ich kann es noch nicht ganz fassen, begreifen, realisieren.

Danke an alle, die dazu beigetragen haben, dass dieses Märchen wahr geworden ist. Förderpreis des Russlanddeutschen Kulturpreises des Landes Baden-Württemberg 2020 in der Kategorie Literatur. Ja, ich bin sprachlos. Überglücklich, überwältigt. Danke, danke, danke!

Herzlichen Glückwunsch auch an meine großen literarischen Vorbilder: Eleonora Hummel zum Hauptpreis und Wendelin Mangold zum Ehrenpreis. Auf meinem Wege waren sie immer die leuchtenden Sterne, die mir Sicherheit gaben und denen ich stets gefolgt bin. 

Wahre Märchen beginnen mit kleinen Mädchen, kleinen Träumen und kleinen Schritten.


*Auszug aus der Pressemitteilung: 


Ganze Pressemitteilung: 

https://im.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse-und-oeffentlichkeitsarbeit/pressemitteilung/pid/russlanddeutscher-kulturpreis-2020/


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